MIXING ALL THAT I LOVE

Magic Chair Talk mit Emmanuel Lukoki aka Your Barber in Town über das Barber-Handwerk, das Verbinden durch Musik Kunst und Fashion und der Vielklang Berlins im Mix aus allem. Culture.

Im Creative Village von POP KUDAMM tanzt ein junges Paar zu bestem Jazz Afro House, der platzweit durch die offenen Türen seines Shops klingt. Gleich daneben ein Fotograf, der einem Model Ideen für neue Posen zuwirft, die sie in den neuen Designs direkt umsetzt, bevor sie sich in seinem Shop das Outfit für den nächsten Shot von der Stange holt. Im Shop selbst Emmanuel Lukoki, bekannt als Your Barber in Town, vertieft ins Gespräch mit einem seiner Kunden und beim Haareschneiden. Was hier auf den ersten Blick nicht ganz zusammen zu gehören scheint, ist bei Emmanuel Programm: Ein bunter Mix aus Fashion, Music, Kunst und Barber-Handwerk, der einen vibrierend-stimulierenden Hot Spot inmitten der City-West schafft und einen Besuch in seinem Barber-Shop zum echten Erlebnis macht.

Sein Motto im Shop und bei all seinen anderen Jobs immer: nicht der Kunde ist König, sondern der Kunde ist Freund. Nach dem ersten Kontakt mit dem Magic Chair, wie er seinen Barber-Stuhl nennt, bricht der typische Kundenkontakt. Aus Sie wird Du, aus Fremd wird Offenheit und Miteinander.

Warum Emmanuel diesen Mix liebt und was dieser mit Kommunikation und der Kultur unserer Stadt zu tun hat, und woher er seine Inspiration und Energy nimmt, verrät Emmanuel im Interview, dass wir während seiner Zeit bei POP KUDAMM geführt haben. Auf seinem Magic Chair, eingerahmt von afrikanisch-inspirierten Fashion Pieces, chillig-guter Musik auf den Ohren und pure good vibes only. 

Du bist bekannt als Your Barber in Town. Wie bist du als Barber gestartet?

Ich bin eigentlich Industriemechaniker und tatsächlich aus diesem Grund nach Berlin gezogen. Aber wie die Passion zum Barbering kam, ich glaube das hängt mit meiner Familie zusammen, mit meinem Vater der uns Kindern – also wir sind drei Jungs, fünf Kinder insgesamt – uns drei Jungs jeden Sonntag die Haare geschnitten hat. Das war Ritual, jeden Sonntag vor der Kirche, weshalb ich auch immer freshe Haare hatte. Unser Vater hat es dann unserem ältesten Bruder beigebracht und der Älteste dann dem Mittleren. Und bei wir es dann so: Nein, ich lerne nicht Haareschneiden. Keinen Bock. Dazu kam, ich war professioneller Background-Tänzer und Schauspieler, was ich so drei, vier Jahr gemacht habe, bis ich dann gesagt habe: Ok, ich brauche jetzt irgendwie auch was Festes. Und dann dachte ich mir, ok, was mach ich jetzt ? Ich war ja gerade mit der Schule durch, hatte auch nicht die große Lust einfach nur rumzuhängen und ich wollte was machen. Aber nicht in der Stadt, wo ich groß geworden bin, so dass ich dann nach Berlin gezogen bin und hier meine Ausbildung gemacht zum Industriemechaniker gemacht habe. Im wilden Osten [lacht], und ich habe dann lange in der Industrie gearbeitet, in den Borsigwerken in Tegel. Und in dieser Zeit, ich konnte ja keine Haare schneiden, weil ich es nicht lernen wollte, bin ich zu x-beliebigen Barbern gegangen und sah wirklich sehr schrecklich aus. Hab dann meinen Vater angerufen und gesagt: „Du hast völlig Recht gehabt, ich hätte Haareschneiden lernen sollen.“ Da meinte mein Vater „Mach Dir nix, ich schick Dir ein Barber-Starter-Set, lern mal zu Hause Haareschneiden.“ Habe angefangen mir das Haareschneiden selber beizubringen, was tatsächlich gut zwei Jahre gedauert hat, bis es perfekt war. So ist es meistens bei mir: wenn ich was will, will ich es ins Maximale bringen. Und so fing es an.

Und darüber kam dann auch die Idee für einen eigenen Barber-Shop? 

Ganz genau. Ich will immer meine Einflüsse in das was ich tue einbringen und daraus etwas Neues, Einzigartiges machen. Daraus entstand mein erstes Konzept für einen Laden in Hannover. Der eigentlich soweit ganz cool war und auch gut lief, aber ich hab‘ schnell bemerkt, dass die Leute noch nicht ready für so konzipierten Geschchten, wo du einfach so freaky Sachen machst. Da bin ich zurück nach Berlin und habe ein Konzept fertig gemacht und mich mit XXX zusammengetan, der ein Vertriebler ist und Gott und die Welt kennt und 30 Jahre in Berlin lebt. Das war genau der Partner, wie ich ihn gebraucht habe, und so ist es gekommen, dass ich dann einen Laden im Student Hotel aufgemacht habe. Nicht typisch für einen Barber Shop, aber das ist genau das Konzept, das letzten Endes aufgegangen ist. Wir haben hier zusammen mit dem Hotel eine Community entwickelt und Events gemacht und mittlerweile ist dieser Barber-Shop-Spot kein reiner Barber-Shop mehr, sondern viel mehr ein Platz zum Zusammenkommen, Netzwerken und Leute kennenlernen. Und das spiegelt auch das Konzept wieder: Du musst nicht herkommen, wenn Du einen Hair Cut haben willst. Willst Du reden, willst Du einen Drink, willst Du Leute kennenlernen, dann bist Du am richtigen Ort bei Your Barber in Town.


„Weil ich hier genau das machen kann,
was ich machen möchte.“


Was macht für Dich einen guten Barber aus?

Wenn du dich Barber nennen willst, musst du auf jeden Fall mit einem Messer umgehen können. Das unterscheidet den Barber vom Friseur. Denn es ist nicht dasselbe. Ein Barber früher war fast schon wie ein Arzt, der sogar Zähne gezogen hat. Da kommt übrigens auch die bekannte Barber Pole her, deren Farben die Geschichte der Barber-Praxis symbolisieren. Was einen guten Barber ausmacht sind vor allem auch Skills. Barber müssen immer up to date sein und die trendigen Looks kennen und können. Und er muss sich auch trauen, gewisse Sachen auszuprobieren und den Kunden ein guter Berater sein, um sie gut aussehen zu lassen. Der Beruf hat viel mit Kommunikation zu tun und ein Barber sollte daher auch super kommunikativ sein. Muss seine Kunden verstehen und ihnen ein gutes Gefühl geben. Daraus entwickelt sich dann das, was Kunden den Barber des Vertrauens nennen und warum sie einen „mein Barber“ nennen. Deshalb habe ich auch Kunden, die nennen mich Stylisten, Therapeut oder manche Eheberater. Das sind aber Sachen, die heute verloren gehen, mit den ganzen 15-Minuten Hair Cuts. Und ich als Barber, ich sag mir, ich setze meinen Fokus nicht auf die Zeit, sondern auf die Menschen.

Du kommst ursprünglich nicht aus Berlin, hast aber hier Deinen ersten Barber-Shop eröffnet. Was macht Berlin als Stadt für Dich besonders und warum wolltest Du unbedingt hier sein?

Das ist für mich einfach zu beantworten: Weil ich hier genau das machen kann, was ich am Ende des Tages machen möchte. Ich hatte das ja schon woanders versucht zu starten, aber die Gegebenheiten waren dort nicht da. Als dunkelhäutiger hat man immer das Gefühl, dass man Leute erst überzeugen muss. Ich bin aber nicht so, dass ich sage, ich muss erst jemand überzeugen muss, sondern ich mach das, was ich mache und entweder es gefällt und ist cool, oder auch nicht. Und hier in Berlin gibt es deutlich weniger Vorurteile. Weiß nicht, ob es an dem Spot liegt, aber ob der Mensch weiß ist oder schwarz ist, ist eigentlich egal. Die erste Frage bei mir im Shop ist die Frage: „Was kostet der Haircut?“ Das finde ich super, und so sollte es auch sein. Alles andere, wo jemand herkommt und so, spielt keine Rolle. Und genau das ist es was ich möchte: nicht zwei Welten zu schaffen, sondern eine Welt für alle.

Was bedeutet für Dich Berlin Culture und welche Unterschiede siehst du zu anderen Cities?

Ich bin ja, wie gesagt, auch Tänzer und dadurch schon viel rum gekommen. Und für mich fühlt sich Berlin nicht komplett wie Deutschland an. Denn wenn ich es mit anderen Städten vergleiche, dann ist Berlin einfach anders. Du hast hier Menschen von überall aus der Welt, und demzufolge sind Berliner auch viel offener. Weil sie einfach andere Kulturen zulassen. Das zeigt sich auch beim Essen, wenn du durch deinen Kiez läufst und Essen aus aller Welt bekommst. Indisch, türkisch, arabisch, afrikanisch, asiatisch. Auch dafür sind Berliner offener und demzufolge auch offener für solche Geschichten, wie ich sie vorhabe. Darum geht es, denke ich in dieser Stadt ganz gut. Das ist für mich Berliner Kultur – ist offen und lässt gewisse Sachen einfach zu.


„Ein Ort, wo nicht schwarz-weiß gedacht wird,
sondern mixed.“


Du hast eingangs gesagt, Dein Shop ist kein rein typischer Barber-Shop mehr. Was macht Deinen Barber-Shop special?

Wir verbinden bei uns Music, Art, Fashion, Kultur und bauen das Barbern drum herum. Uns geht es darum, Menschen zusammen zu bringen und einen Hot Spot mit good vibes zu schaffen. Ein Ort, wo nicht schwarz-weiß gedacht wird, sondern mixed. Und wo sich Leute treffen, um 15 Uhr kommen und bis 21 Uhr bleiben. Genau so, wie wir es auch hier bei POP KUDAMM machen: Community trifft sich, man setzt sich hin, holt sich eine Bowl von Bless Bites, schaut sich Fashion von Medelian an, kriegt einen neuen Cut und hat Spaß.

Und was bedeutet Dir dieser Mix und was genau erwartet Deine Besucher, wenn sie zu dir kommen? 

Ich war früher ja Tänzer und Schauspieler. Ich mag vor allem aber auch Fashion. Und ich habe die Passion fürs Barbering. Im Endeffekt ist das so der rote Faden, der sich immer wieder mitzieht. Und Leute, die mich kennen wissen, das ist Manu. Denn ich will Dinge miteinander verbinden, bin zwar Barber, aber will alles, was ich mache und mag, mixen. Ich tanze, daher gibt’s im Shop Tänzer. Ich liebe Musik, deswegen läuft bei uns laute Musik. Ich liebe Fashion, demzufolge ist Fashion da. Weil es mich widerspiegelt. Und das übertrage ich an meine Kunden, so dass modebewusste Menschen andere modebewusste Menschen mitbringen, was eine Community erzeugt mit eben diesen Anhaltspunkten. Und egal, wo Your Barber in Town sich platziert, hast Du immer wieder diese Akzente mir drin. Fashion, Music, DJ, Lifestyle. Das ist das Konzept und die Idee dahinter.

Was gibt dir POP KUDAMM und was gibst du POP KUDAMM?

POP KUDAMM gibt mir die Möglichkeit, mich entfalten zu können. Hier ist nichts strikt, alles ist locker und wird entspannt, liebevoll gehandhabt. Das gefällt mir. Und wenn man eine Idee hat, wird diese angenommen und man kann sie ausprobieren. Für jeden, der hier vorbei läuft und jedes Business ist das ein Mehrwert. Was ich dem Kudamm gebe? Ich denke, Kultur und echte Menschen. Was heißt das: an einem Platz unterschiedliche Menschen zusammen bringen, vom Schüler bis zum Influencer und Schauspieler. Menschen von überall, die hier her kommen und hier sind.


„Hauptsache ist, dass es echt ist.
Das feiere ich.“


Du steckst voll Energy und Neugier auf immer Neues. Was inspiriert Dich Neues im Leben zu entdecken?

Kurz gesagt: Von Menschen. Von Menschen aus aller Welt. Ich hatte zum Beispiel mal vor sechs, sieben Monaten einen Typen bei mir, der sah von Weitem aus aus, als hätte er zwei Wochen auf der Straße geschlafen und wenn man nicht genau hinsieht, würde man denken, der hat die letzte Zeit einen echt harten Boden gehabt. Unglaublich langer Bart, lange Haare, super rough, wild. Aber nicht ungepflegt. Hose war komplett zerrissen, crazy Boots. Er kam bei uns vorbei und wollte seinen Bart gestutzt bekommen, und ich habe dann beim näheren Hinsehen bemerkt, dass das alles Designer-Klamotten waren, die er an hatte. Hat mich richtig faszinierte, ein richtig voller Look. Er hat mir dann erzählt, dass er Künstler ist, der ein Atelier hier in Berlin hat und in New York lebt. Hat mir dann ein paar seiner Sachen gezeigt und mich eingeladen, und mittlerweile sind wir auch Freunde. Und genau das ist es auch, was ich feiere. Ich feiere das: Du musst nicht das zeigen, dass du jemand bist, sondern zeig‘ doch einfach, wer du wirklich bist. Und das ist auch das, was ich versuche zu tun. Zu zeigen, dass e mir nicht darum geht, die High Society Welt zu bespielen, sondern alles zu bespielen. Da wo ich mich widerspiegeln kann, sei es in der High Society Welt, in Kreuzberg in der Hippie-Szene oder Neukölln am U-Bahnhof, wo ich mich einfach mit dem Barber-Stuhl hinstelle und Leuten die Haare schneide. Darum geht’s am Ende des Tages und diese Menschen inspirieren mich. Hauptsache ist, dass es echt ist. Das feiere ich.

Und zu guter Letzt: Was steht als nächstes bei dir an? Gibt es neue Projekte?

Parallel, wo ich hier bei POP KUDAMM bin, planen wir bereits weiter. Bei mir wird dabei die Idee einer Beauty School großgeschrieben, die ich mit einem Team talentierter Jungs und Mädels aufbauen und betreiben will. Warum? Weil viele Dinge in der klassischen Ausbildung nicht involviert sind, wie zum Beispiel asiatisches oder afrikanisches Haar. Dadurch wissen viele nicht, was sie mit den Haaren machen sollen. Nur warum lernt man das nicht in der Ausbildung? Diese Menschen existieren, sind nicht unsichtbar, sind da. Das ist für mich daher ein Big Project wo ich mein Herzblut reinstecke, um es als Modul für Schulen anzubieten und es in ihre Ausbildungsformen einzubinden. Berlin ist hierfür die richtige Stadt. Macht die Türen auf und sagt: einfach machen.


ABOUT EMMANUEL LUKOKI

Emmanuel Lukoki ist Barber aus Leidenschaft, Tänzer und Schauspieler, der in Berlin lebt und arbeitet. Neben seinem Barber-Handwerk organisiert er regelmäßig Fashion & Music Events in seinem Barber Shop im Student Hotel und anderen Berliner Orten, zusammen mit seinen Partner:innen und Künstler:innen, Musiker:innen und Designer:innen aus aller Welt.

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Interview: Dennis Wartenberg

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