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Interview mit Omar Tello, CEO des erwachsenen Start-Ups sensalytics und Partners von POP KUDAMM über Data, Tracking und die Smart City von Morgen.

Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren enorme Sprünge gemacht und spielt zunehmend mehr auch für die Gestaltung und Nutzung urbaner Räume eine essentielle Rolle. Grundlage hierfür sind allem voran Daten – und im Speziellen immer mehr auch Echtzeitdaten – mit denen Bewegungsströme gemessen, Optimierungspotenziale in Planungsprozessen identifiziert und daraus abgeleitet neue Erlebniswelten geschaffen werden können. Erlebnisse, die sowohl Räume des stationären Handels betreffen, wie aber auch die zentralen Plätze und Straßen einer Stadt wie Berlin.

Als im wahrsten Sinne des Wortes data-driven Expert und Innovationstreiber in diesen transformatorischen Entwicklungen ganz vorne mit dabei, ist das Unternehmen sensalytics. Das erwachsene Start-Up aus Stuttgart ist auf Real-Life-Trackings spezialisiert und mit seinem Know-How und branchenübergreifendem Analytics-System in Flagship-Projekten wie The Latest in Berlin oder Vaund in Stuttgart sowie seit April bei uns im POP KUDAMM mit am Start.

Im Interview mit Omar Tello, CEO von sensalytics, reden wir über „Tracking für die echte Welt“ und schauen, welche Nutzenmöglichkeiten und neuen Experience-Möglichkeiten sich aus Daten ergeben können. Für Besitzer stationären Shops, wie auch für die Planer und Gestalter urbaner Räume.

sensalytics ist Partner von POP KUDAMM seit der ersten Stunde. Woher kennt man sensalytics und wie würdest Du das, was ihr macht – in a nutshell – jemandem erklären, die oder der noch nie von Euch gehört hat?

Wir vergleichen uns bei sensalytics gerne mit Google Analytics, dem gängigen Tool für das Tracking von Webseiten. “In a nutshell” tracken wir mittels 3D-Sensorik die Bewegungsabläufe von Personen auf einer Fläche, z. B. im Einzelhandel, aber auch bei Events und Messen, an Flughäfen etc. Die daraus ermittelten Informationen können dann sowohl strategisch wie auch operativ genutzt werden, zum Beispiel um Personal über ein gesteigertes Besucheraufkommen zu informieren oder Berater auf die Fläche zu rufen.

Unser größter und bekanntester Kunde ist mit Sicherheit ALDI SÜD, für die wir zu Beginn der ersten Corona-Welle eine digitale Zutrittskontrolle entwickelt haben. Diese entlastete das Sicherheitspersonal und konnte hochgenau die Besucher:innen in den Läden zählen. Waren zu viele Menschen im Laden, wurden die Eingangstüren automatisiert geschlossen, um immer die Hygienemaßnahmen einhalten zu können.

Woher kam die Idee der Gründung von sensalytics und welche Vision treibt euch als Start-Up an?

Mein Co-Gründer Dominik Laubach und ich lernten uns 2014 im Rahmen eines gemeinsamen Projekts kennen und teilten sowohl die Leidenschaft für E-Commerce als auch für den stationären Handel mit seinen ganz eigenen Vorteilen. Wir waren bereits beide im Bereich Data Analytics unterwegs und hatten auch erste Erfahrungen mit Tracking auf physischen Flächen (damals in Bars und Parties) gemacht. Wir dachten “Analytics Software muss es doch auch für den stationären Handel und nicht nur im E-Commerce geben”, und entwickelten sensalytics. Wir wollten und wollten das Beste aus beiden Welten verbinden und so Händler stärken. 2015 gründeten wir dann sensalytics.

Unsere Vision ist es, kommerziell genutzte Flächen in ihrer Nutzung zu optimieren, sowohl zum Vorteil von Verantwortlichen wie auch für die Menschen, die die Flächen betreten. sensalytics soll das Tool der Wahl sein, um den Handel in die datengetriebene Welt von Morgen zu überführen.

„Wir wollten und wollten das Beste
aus beiden Welten verbinden.“

Euer Mission Statement lautet „Tracking für die echte Welt“. Was genau trackt ihr? Und was bedeutet „echte Welt“?

Wie tracken alle Bewegungen von Menschen auf kommerziell genutzten Flächen, etwa im Einzelhandel, aber auch an Flughäfen, auf Messen, in Stadien und überall dort, wo sich Menschen in öffentlichen und halböffentlichen Räumen bewegen und aufhalten. Bei der Besucherstrom-Analyse können verschiedene Parameter getrackt werden, allen voran natürlich die Anzahl von Personen auf einer Fläche, aber auch die Bewegungsroutinen einzelner Personen oder die Verweildauer an einem bestimmten Ort. Was wir ausdrücklich nicht tracken sind personenbezogene Daten wie Alter oder Gesichter – Datenschutz ist uns sehr wichtig bei unserer Arbeit.

Der Slogan “Tracking für die echte Welt” stammt aus dem Vergleich mit dem E-Commerce, wo Tracking ja Gang und Gäbe ist. Mit echter Welt meinen wir solche Orte, wo sich Menschen tatsächlich von A nach B bewegen und sich aufhalten.

Welche Nutzenmöglichkeiten ergeben sich aus Tracking in der echten Welt?

Das kommt immer darauf an, um was für eine Fläche es sich handelt, Tracking im Supermarkt hat andere Nutzen als auf Messen usw. Was alle vereint: Die analysierten Daten liefern eine fundierte Grundlage für strategische wie operative Prozessoptimierung. Im Einzelhandel, in Stadien oder am Flughafen können so beispielsweise Wartezeiten nachweislich verkürzt werden. Auf Messen kann die Auslastung nicht nur gefühlt, sondern erwiesenermaßen analysiert werden; und Reinigungskräfte können besser eingesetzt werden, was die Zufriedenheit der Besucher enorm steigert. Kurzum: Tracking in der echten Welt öffnet eine “Blackbox”, die zuvor verschlossen war und verhilft auf diese Weise, ein besseres Verständnis zu bekommen und Optimierungen vorzunehmen.

Wie gelingt die Verbindung von Frequenzmessung und Umsatzmessung?

Wir können Besucher nach Mitarbeitern, Stöberern und Kunden (tatsächliche Käufer) klassifizieren und so die Anzahl der tatsächlich getätigten Käufe in Relation setzen zu der Frequenz, also der Gesamtzahl der Kundschaft an Tag X. Mit einem Umsatzsensor können wir außerdem Umsätze sowie Produkt- und Warengruppen direkt am Point-of-Sale aufgreifen und analysieren. Der Vorteil für Verkäufer liegt darin, dass kein Eingriff in das Kassensystem notwendig ist und es so nicht zu einer Unterbrechung des Kaufprozesses kommt. Dieser Sensor sitzt zwischen Kassensystem und Drucker und verarbeitet parallel zum Druck die Informationen vom Kassenbon. Nach einer automatischen Aufbereitung seitens sensalytics stehen die Daten für die Analysen unmittelbar bereit.

Tracking und Datenanalyse haben extrem viel mit Werten und Vertrauen zu tun. Für welche Grundwerte steht sensalytics, wenn es um Daten geht?

Daten sind ein wahrer Schatz. Und wie bei jedem Schatz gilt es, diesen davor zu bewahren, dass er nicht in die falschen Hände gerät. Deswegen ist uns Datenschutz enorm wichtig. Wir arbeiten eng mit e-privacy zusammen, die uns bestätigen, dass unsere Arbeit DSGVO-konform ist. Außerdem gehören die gemessenen Daten immer dem Kunden und nicht sensalytics – so werden sie auch niemals zu werblichen Zwecken genutzt (außer der Kunde gestattet es ausdrücklich).

Darüber hinaus tracken wir keine personenbezogenen Daten, also nicht “Herrn Müller” oder “Frau Schneider”, sondern “Person X und “Person Y”. So stellen wir sicher, dass keine Individuen getrackt werden, sondern lediglich die Bewegungsabläufe der Personen. Wer sich hinter dem sich bewegenden Punkt auf der Heatmap befindet, können und wollen wir zu keinem Zeitpunkt verfolgen.

„Unsere große Vision ist es, dem stationären Einzelhandel
zu neuer “alter” Stärke zu verhelfen.“

Bei POP KUDAMM dreht sich alles es um die Wahrnehmung urbaner Räume und ihre Entwicklungen. Hierzu gehört auch der stationäre Handel, der den Ku’damm zu einem der beliebtesten und bekanntesten Shopping-Boulevards Europas macht. Speziell mit dem stationären Handel ist Eure Arbeit eng verbunden. Wie kann der stationäre Handel von Lösungen “powered by sensalytics” profitieren?

Unsere große Vision ist es, dem stationären Einzelhandel zu neuer “alter” Stärke zu verhelfen, um auch in Zukunft noch Kunden zu inspirieren und in die Läden zu locken. Damit das gelingt, dürfen sich Händler nicht mehr allein auf ihr Bauchgefühl verlassen, sondern sollten die technischen Möglichkeiten der Besucherstrom-Analyse nutzen, um mehr über ihre Kundschaft zu erfahren. Unsere feste Überzeugung lautet: Nur wer seine Kundschaft kennt, kann ihr das beste Angebot machen. Optimierte Flächen und optimierter Service führen zu einer gesteigerten Customer Journey, die sich wiederum in messbar höheren Umsätzen deutlich macht – eine Win-Win-Situation für alle!

Eure Technologie kommt bei POP KUDAMM zum Einsatz. Mit welchen Features beteiligt ihr euch hier bei uns?

Ein Begegnungsort wie POP KUDAMM ist für uns natürlich besonders spannend. Er entspricht unserer Vorstellung, dass moderner stationärer Handel nicht mehr die alleinige Hauptattraktion der Innenstädte der Zukunft ist. Die Smart City von Morgen bringt verschiedene Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zusammen, z. B. Technologie, Kunst, Kultur – und eben auch Shopping Experience.

Bei POP KUDAMM haben wir einen Sensor in der großen Haupthalle verbaut, der die Frequenzen der Personen misst, die sich darin aufhalten. Im hinteren Bereich, auf der Terrasse, wird die Technologie als Zugangskontrolle eingesetzt, damit sich nicht mehr als die zulässige Menge an Personen dort aufhält. Ist dies der Fall, wird sofort die Security informiert, um die Sicherheit aller Gäste zu gewährleisten. Auch zwei der vorderen Container haben wir komplett mit Sensorik ausgestattet. Außerdem messen wir die Passanten vor dem eigentlichen Areal, um die Frequenz der Passanten in Relation zur tatsächlichen Besucherzahl zu ermitteln.

Und gibt es aus Deiner Sicht auch Benefits für uns, die auf dem Ku’damm shoppen und flanieren? Sprich: Kann Tracking auch unsere Shopping Experiences verändern?

Auf jeden Fall! Ich verstehe die Verwunderung oder Angst vieler Menschen, wenn man ihnen erzählt, wo sie bereits heute in der echten Welt überall getrackt werden. Niemand will permanent überwacht werden, weder online oder in der Öffentlichkeit. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, die Vorteile von Tracking für Konsumenten deutlich hervorzuheben. Denn es ist nicht alles schlecht, solange man sich an Datenschutzverordnungen hält.

Unser Tracking dient ja in erster Linie dazu, die Customer Journey, also das Einkaufserlebnis der Kundschaft, zu optimieren. Händler, die ihre Kundschaft besser kennen, können auch ihren Service danach ausrichten und beispielsweise besser beraten oder die Produkte besser positionieren. Ganz praktisch kann unser Tracking z. B. die Wartezeiten an Kassen um ein Vielfaches reduzieren, was natürlich den Kunden entgegenkommt.

Shopping Experience ist übrigens genau das richtige Stichwort, denn in Zukunft geht es nicht mehr um stationäres Einkaufen, sondern vielmehr darum, sich von neuen, interessanten Produkten berieseln zu lassen, zu stöbern und professionell beraten zu werden. Wenn ich genau weiß, was ich suche und benötige, ist der Weg in den Online-Shop kürzer und angenehmer. Es wird zukünftig keine Rolle mehr spielen, wo gekauft wird, sondern die Frage muss lauten: Wo und auf welche Art und Weise begeistere ich potentielle Kunden von meinem Produkt?

„Die Smart City von Morgen bringt verschiedene Bereiche
des gesellschaftlichen Lebens zusammen.“

Wenn es um Stadtplanung geht, inwiefern spielen Start-Ups wie ihr dabei eine Rolle und Daten, die ihr parat habt? Oder anders gefragt: Wenn es um die Planung neuer Straßen und Plätze geht, greifen Stadtplaner:innen dabei auf eure Expertise zurück?

Natürlich können Datenanalysen dabei helfen, Flächen zu optimieren. Sie bilden einen von zahlreichen Bausteinen und Informationen ab, die Stadtplaner bei der Organisation von öffentlichen Plätzen mitbedenken müssen. Allerdings arbeiten wir bis dato noch nicht mit Stadtplanern zusammen, würden uns aber freuen, wenn das Potenzial der Datenanalyse von ihnen erkannt würde. Orte werden immer flexibler gestaltet, um auf neue Entwicklung eingehen zu können. Genau hier können unsere erhobenen Daten helfen, die sich verändernde Nutzung von Plätzen und öffentlichen Räumen schneller zu erkennen und durch Optimierungen die Aufenthaltsqualität zu verbessern. 

Was sind eure nächsten Projekte und was plant ihr für die Zukunft?

Wir optimieren permanent unser Produkt und feilen an neuen Möglichkeiten, unser Tracking stets weiter zu entwickeln. Es befinden sich einige neue vielversprechende Projekte in der Pipeline, über die wir noch nicht berichten können. Eines kann ich aber schon sagen: Wir werden die Brücke zwischen Online und Offline bauen.

Zukünftig werden wir neben unseren Kernbranchen, dem Food- und Non-Food-Einzelhandel, noch weitere Branchen erschließen. Unser Produkt ist an keine spezifische Branche gebunden, sondern kann im Prinzip überall dort eingesetzt werden, wo sich Personen in öffentlichen oder kommerziell genutzten Räumen aufhalten. Langweilig wird uns jedenfalls nicht, das können wir versprechen.

ABOUT SENSALYTICS

Mehr über sensalytics und seine digitalen Lösungen unter: www.sensalytics.net

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